Giftige Erde | Ein Ostfrieslandkrimi

Nach einer romantischen Nacht in der Kajüte ihres Segelbootes wollen Bauleiter Karl Eilers und die Kommissarin Susi Wildtfang die nahegelegene Baustelle inspizieren. Entsetzt müssen sie feststellen, dass großflächig Gift auf dem Gelände verteilt wurde. Alle Pflanzen sind abgestorben, vier Menschen liegen ohnmächtig und schwer verletzt im Baucontainer. Einer davon stirbt. Susi und ihr Chef Hauptkommissar Brunner ermitteln zunächst im Umfeld einer Sekte. Diese wollen den Bau stoppen, weil er die Natur zerstört.
Der Fall bekommt eine Wende, als ein Hamburger Baulöwe tot in einem Auricher Hotelzimmer aufgefunden wird. Ursache ist ein heimtückisches Gift, das einen Herzinfarkt vortäuscht. Seine Geliebte, mit der er die Nacht verbrachte, gerät in Verdacht. Wer sonst hatte Gelegenheit, das Gift zu verabreichen? Bereits zwei Morde ohne erkennbares Motiv – Brunner ist verzweifelt.
Hinni Boomgarden, der Besitzer der Baustelle, erhält eine Mail, in der weitere Morde angekündigt werden. Gelingt es, die Täter rechtzeitig zu stoppen?
Dieser neue Ostfrieslandkrimi von Harald H. Risius bezieht seine Spannung nicht nur aus der realistischen Handlung, die immer wieder unerwartete Wendungen nimmt, sondern auch aus der authentischen Beschreibung Ostfrieslands mit seinen herrlichen Landschaften und oft eigenwilligen Bewohnern.

Dies ist der vierte Ostfriesenkrimi aus der Reihe „Sail & Crime mit Hinni und Renate“ von Harald Risius. Bisher erschienen: „Regatta mit Nebenwirkungen“ und „Kreuzfahrt in Gefahr“.

304
Seiten
9064
Zeilen
71086
Wörter
375081
Zeichen

Leseprobe

 

Ohne es zu merken, geht Karl schneller und Susi hat Mühe mit ihm Schritt zu halten. Plötzlich bleibt sie stehen. „Karl was ist das?“

„Was soll das sein? Löwenzahn und Gras. Überall wo keine Gebäude entstehen, haben wir die Wiese unberührt gelassen.“

„Karl, alle Pflanzen sind verwelkt, die sind tot! Bleib’ stehen, hier geht es nicht mit rechten Dingen zu.“

Karl will vorwärts stürmen. Er sieht, dass offensichtlich Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurde, dafür möchte er den Verantwortlichen sofort zur Rede stellen. Solche Aktionen sind dem Image nicht förderlich. Es ist ein naturnahes Projekt und das gilt auch für die Bauphase. Die Naturschutzvereine haben das anerkannt und unterstützen die Idee sogar. Da würde der Einsatz von chemischen Unkrautmitteln das bisherige Wohlwollen sehr schnell zunichtemachen.

„Bleib’ stehen Karl, sofort!“, beharrt Susi auf ihrer Forderung und hält ihn kraftvoll am Ärmel. „Da wurde Gift verstreut, kein normaler Unkrautvernichter. Riech doch mal.“

Karl bleibt tatsächlich stehen, beugt sich zur Erde hinunter und schnüffelt. „Du hast Recht, Scheiße! Ich kann mich täuschen, aber ich befürchte, das ist PCB, Pentachlorbenzol. Wo kommt das her, wir verwenden es nicht. Das Zeugs ist hochgiftig und verboten.“

„Schnell weg hier, Karl“, fordert Susi. „Wo sind die Arbeiter?“

„Oh Gott“, schießt es Karl durch den Kopf. „Die Arbeiter!“ Kein Mensch ist zu sehen, auf der gesamten Baustelle herrscht absolute Ruhe. Plötzlich scheint für ihn die Welt stehengeblieben zu sein: Der Wind ist nicht mehr spürbar, kein Grashalm bewegt sich, sogar die Vögel fliegen und zwitschern nicht mehr. Als ob es kein Leben mehr gäbe.

Er reißt sich zusammen: „Vielleicht sind sie im Baucontainer. Die Leute schlafen da manchmal auch.“

„Karl, wie kommen wir dahin, ohne hier über das verseuchte Gelände laufen zu müssen?“

„Von der Straße aus, folge mir!“

Karl rennt etwa fünfzig Meter seitwärts über die Wiese und Susi läuft ihm nach. Sie kommen an einen Schlot, einen Entwässerungsgraben der die Wiese begrenzt, dahinter befindet sich eine schmale, provisorisch geschotterte Zufahrtstraße. Sie springen über den Graben, biegen nach rechts auf die Straße und laufen auf den Container zu.

Der Chemikaliengeruch wird stärker, je näher sie kommen. Susi möchte am liebsten stehenbleiben, um sofort ihre Kollegen oder zumindest die Feuerwehr zu rufen. Hier wurde eine Straftat begangen, sie weiß nur noch nicht, was genau geschah und welchen Umfang es hat. Aber wenn dort Leute in dem Baucontainer sind und womöglich das Gift eingeatmet haben, dann ist Gefahr in Verzug. Jede Minute zählt in dem Fall. Sie drückt den Ärmel ihrer Jacke in das Gesicht, versucht so flach wie möglich zu atmen und rennt.

Schließlich steht sie vor dem Container, ein Fenster ist nur angelehnt. Sie zieht es auf und sieht hinein. „Karl, da sind Menschen drin“, schreit sie dann. „Wir müssen sie rausholen. Wo ist der Schüssel?“

Karl ist bereits an der Tür, reißt sie mit einem Ruck auf, hält die Luft an und stürmt in den Raum. Gleich darauf schleift er einen leblosen Mann hinaus. Er nimmt ihn auf den Arm, trägt ihn auf die andere Straßenseite und legt ihn auf das taufrische Gras. Dort befindet sich kein Gift, das hofft er zumindest.

Susi beugt sich über den reglosen Menschen und versucht den Puls zu fühlen.

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