Die Piratenjolle

Nachdem ich beim Kohlessen des Yachtclubs Aurich spontan die Absicht verkündet hatte, eine Piratenjolle bauen zu wollen, suchte ich die alten Berichtsheft aus meiner Lehrzeit heraus, informierte mich über Neuerungen und bestellte mir dann den Plan mit den amtlichen Klassenvorschriften.

Bauplan einer Piratenjolle

Es sollte wieder ein ganz hübsches und edles Schiffchen werden, so wie sie ganz früher gebaut wurden. Aus Mahagoni, Esche und in traditioneller guter, handwerklicher Bootsbaukunst gefertigt. Sicherlich mögen die neuen „Plastikschüsseln“ ein wenig schneller laufen, was durch ihr geringeres Gewicht selbstverständlich ist, aber wer will denn immer nur der „Erste“ sein, wenn man der „Schönste“ sein kann.

Der Pirat, eine 10 m²-Knickspant-Jolle, wurde im Jahre 1938 von dem deutschen Jollenkonstrukteur Carl Martens gezeichnet, der damit ein Preisausschreiben der Zeitschrift „Yacht“ gewann. Ursprünglich hieß das Boot „10 m² Einheits Jugendjolle“.
Der Name „Pirat“ wurde dann in Anlehnung an die amerikanische Gepflogenheit, lyrische Bootsnamen zu wählen, ebenfalls durch ein Preisausschreiben dieser Zeitschrift ermittelt. In der Folgezeit wurde der Pirat zum meistgebauten Vollholzsegelboot Deutschlands.
Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wird der Bootsrumpf auch in GFK und/oder Sandwichbauweise oder Sperrholz gefertigt. Nach den Klassenvorschriften sind Boote aus Kevlar und Kohlefaser jedoch verboten. Nach der Zulassung von Alu-Rigg, Spinnaker und anderer technischer Raffinessen war das Überleben des Piraten als populäre Bootsklasse bis in die heutige Zeit gesichert. Es wurden bisher ca. 6.000 Boote gebaut.
Die erste Arbeit war das Auftragen des Spantenrisses und die Fertigung der Spanten, des Schwertkastens und anderer kleiner Bauteile. Da ein fertiges Boot meinen Keller, der vorübergehend als Bootswerft fungierte, nicht verlassen könnte, weil Türen und das Treppenhaus einfach zu eng sind, wurden diese Einzelteile dann in dem Carport bei passender Witterung zusammengefügt, verleimt und lackiert..
Sehen Sie dazu die Fotos aus den Bauphasen an:
Am 27.05.2009 war es dann soweit, dass Rigg sollte geliefert werden. Die Spannung stieg: „… ob wohl alles passt?“ Ja, es passt alles ganz genau, es mussten keine Anpassungen oder gar Umbauten vorgenommen werden. „Hurra!!“
Jetzt waren es nur noch ein paar Kleinigkeiten, die noch gemacht werden mussten. Leider halten die letztendlich doch länger auf, als man das sich so vorstellt.
Jedenfalls konnten wir dann nach einigen Tagen die Jolle am 6. Juni 2009 nach einer nicht einmal viermonatigen Bauphase, zum „Großen Meer“, dem bevorzugten Binnen-Segel-See von Aurich, bringen. Taufe und Jungfernfahrt genossen wir in vollen Zügen. Wind und Wetter waren gut und somit konnte die Segelsaison 2009 für uns am „Großen Meer“ beginnen.
Und wir waren nicht nur schön, sondern auch ganz schön schnell!
Dazu hier die Fotos der Taufe und Jungfernfahrt